Pferdewissen allein genügt nicht

Geschrieben von Tania Konnerth

Tania ist Autorin und Pferdecoach. Sie schreibt seit vielen Jahren für Blogs und Zeitschriften, hat diverse Bücher veröffentlicht, gibt Webinare und coacht Pferd-Mensch-Paare. Sie wünscht sich vor allem, dass Pferde besser verstanden werden.

… für gute Entscheidungen braucht es mehr

Früher gab es eine Kaffee-Werbung mit folgendem Spruch „Mühe allein genügt nicht.“ Etwas umgewandelt gilt für mich: „Wissen allein auch nicht.“ Heutzutage steht uns praktisch so gut wie das gesamte Pferdewissen in allen möglichen Fachgebieten zu Umgang und Haltung zur Verfügung. Wir können uns selbst zu den spezialisiertesten Themen schlau lesen und Experten zu allen nur denkbaren Fragestellungen buchen und befragen. Und sehr viele nutzen das rege, weil sie nur das Beste für ihr Pferd wollen.

Chance und Herausforderung zugleich

All das viele Wissen ist eine riesige Chance, führt uns aber manchmal auch in eine Sackgasse. Denn, wie letztlich bei allem, gilt es auch hier, nicht in Extreme zu verfallen.

Keine Frage, fehlendes Wissen ist schädlich. Aber – und darüber wird selten gesprochen – auch ein Überinformiertsein und eine Fixierung auf vermeintlich „sicheres“ Wissen kann uns weg von unserem Pferd und seinen individuellen Bedürfnissen führen. Spezialisiertes Pferdewissen kann Selbstreflexion verhindern und einen Tunnelblick fördern, so dass wir immer weniger von großen Ganzen wahrnehmen.

Ruhig auch mal alles Pferdewissen zur Seite schieben

Ich erlebe immer wieder, dass ganz viel zu wissen eben leider nicht automatisch auch zu einem besseren Verstehen von Pferden im praktischen Miteinander führt. Im Gegenteil: Oft fehlt eine Portion gesunder Menschenverstand und Einfühlungsvermögen.

So geht es in meinen Coachings häufig darum, für einen Moment all das angesammelte Wissen behutsam zur Seite zu schieben und neu anzusetzen. Das Ziel ist, den Blick und vor allem Herz und Bauch freizubekommen, um die jeweilige Situation und das eigene Pferd wirklich wahrzunehmen – unser Pferd als komplexes Lebewesen und Persönlichkeit, wie es sich gerade zeigt und äußert und nicht allein durch bestehende Filter aus Vorwissen, Lehrmeinungen, Forschungen oder Erziehungs- und Ausbildungsmethoden. Echtes Verstehen beginnt für mich immer beim Pferd in der jeweiligen Situation und dafür braucht es Offenheit.

Lesetipps:

Pferdewissen

4 Kommentare

  1. ….in der jeweiligen Situation…
    WIE recht du dich hast! Und wie wenig wir uns im.stressigen Alltag dessen bewusst sind…!
    Was früher problemlos klappte, geht nicht mehr- genau das mache ich seid Monaten krankheitsbedingt mit. Das annehmen zu können ist nicht immer einfach, aber immens wichtig.
    Ich erlebe aber bei meiner RB auch genau das Gegenteil, eine tolle Entwicklung und Harmonie.

    mach weiter so!
    LG Nina

    Antworten
    • Herzlichen Dank für Deine Zeilen. Manchmal denke ich, dass das Annehmen eine Lebensaufgabe ist 😉 Mal klappt es besser, dann mal wieder schlechter – tja, und auch das gilt es anzunehmen 😉
      Alles Gute,
      Tania

      Antworten
  2. Irgendwann im Laufe des letzten Jahres fiel mir folgender begriff im Umgang mit meinen Pferden zu: „Herzgeprüftes Pferdewissen“ sagt alles, finde ich 😉

    Antworten

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