Inspiration des Monats

Geschrieben von Tania Konnerth

Tania ist Autorin und Pferdecoach. Sie schreibt seit vielen Jahren für Blogs, hat diverse Bücher veröffentlicht. Ihr Ziel für "Wege zum Pferd" ist, dass Pferde besser verstanden werden.

Das größte Geschenk ist Annahme

In dieser Rubrik nehme ich mir jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das ich Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es genug, aber gerade bei Basis-Themen ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. Tipp: Zieht Euch jeweils die Inspiration auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können.

Die Ursache für sehr viele Probleme, die zwischen Menschen und Pferden auftreten, liegt meiner Erfahrung nach darin,

  • dass wir entweder aus unserem Pferd etwas machen wollen, das es nicht ist, oder
  • dass wir selbst versuchen, jemand zu sein, der wir nicht wirklich sind, und
  • oft sogar beides.

Die Folge davon ist Stress. Wir haben so viele Bilder im Kopf, so viele Ideale und so viele Vorstellungen davon, wie alles sein sollte, zu denen uns die Botschaft vermittelt wird, „dass alles davon möglich ist“. Dass wir mit den „richtigen Zielen und der richtigen Methode“ all das erreichen können und noch viel mehr. Dass wir uns nur genug anstrengen müssen oder nur das eine, entscheidende Zubehör brauchen oder nur diese bestimmte Technik anwenden müssen und dann, ja, dann wird alles gut … Und so kommt es, dass wir vieles tun, weil es zum Beispiel die Reitlehrerin sagt, weil es alle im Stall so machen, weil wir es in einem Seminar gelernt, in einem Buch gelesen oder auf Instagram gesehen haben. Wir tun das in der Hoffnung, auf diese Weise irgendwie dahin zu kommen, wo wir gerne wären, weil wir glauben, wir müssten dorthin, aber es fühlt sich nicht gut an. Es macht Druck und Stress und verändert das Miteinander mit unserem Pferd auf eine ungute Weise. Also suchen wir nach neuen und besseren Lösungen, Methoden und Ansätzen.

Mit dieser Inspiration möchte ich Euch ein Stopp-Schild schenken. Ein Stopp-Schild, das Euch ermöglicht, erst einmal innezuhalten und zu sich zu kommen. Denn, wenn wir mal einen Moment lang zur Ruhe kommen,

  • stellen wir oft fest, wie (über)aktiv wir vielleicht sind,
  • auf wie vielen Ebenen und an wie vielen Stellen wir mit aller Kraft etwas zu verändern versuchen,
  • wie viele Tipps und Anregungen wir manchmal gleichzeitig umzusetzen versuchen und
  • wie frustriert und erschöpft wir oft sind und
  • wie wenig Freude wir manchmal noch an all dem haben.

Hier entstehen Frust und Schmerz bei uns selbst, aber auch bei unserem Pferd. Wir kämpfen so oft gegen die Realität an und glauben, alles müsste anders sein. Dabei nehmen wir immer weniger wahr, wie gut eigentlich das ist, was wir haben und sind und wie viel wir schon erreicht haben. Wir sollten nie vergessen: Eines der größten Geschenke in einer Beziehung zu einem anderen Lebewesen ist, angenommen zu werden und so sein zu können, wie man ist. Das gilt für uns Menschen und es gilt auch für unsere Pferde.

2 Kommentare

  1. Ich lese immer wieder unregelmäßig Eure Beiträge und finde es unglaublich mit welchen Worten ihr beschreiben könnt! Das tut gut und gerade war ich schon wieder am planen, was wir heute so alles machen… aber eigentlich habe ich keine Energie und lese gerade Euren Beitrag.
    So werde ich jetzt nachher zu meinem lieben Pferdl fahren und einfach die Seele baumeln lassen oder schauen wie wir drauf sind… Danke fürs zurückholen auf den Teppich der Realität!

    Antworten
    • Hallo Dani,
      ganz herzlichen Dank für dieses tolle Feedback für meinen Text – ich freu mich sehr und wünsche Euch ganz, ganz viel Qualitätszeit miteinander 🙂
      Lieber Gruß,
      Tania

      Antworten

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