Pferde verstehen und im Sinne der Pferde handeln
Eine Frage, die mich nun schon seit über 40 Jahren beschäftigt: Warum läuft so vieles falsch in der Pferdewelt? Wir alle lieben Pferde lieben und es ganz wundervolle Wege im Umgang mit Pferden. Dennoch herrschen immer noch herkömmliche Ansätze vor. Dann wird mit einem „Es geht halt nicht anders“ weiter mit Druck und Gewalt gearbeitet, statt erst einmal innezuhalten und sich zu fragen, mit was für einem Wesen man es da eigentlich zu tun hat. Denn für mich liegt das Hauptproblem im Thema Pferde verstehen.
Verstehst Du Dein Pferd?
Pferde sind noch immer oft missverstandene Wesen, weil viele zu wenig über sie wissen. Ihnen wird alles Mögliche unterstellt, aber gleichzeitig werden ihnen Emotionen abgesprochen und ihre Bedürfnisse nicht beachtet. Die Kombination führt zu viel Rohheit. Wenn ich eines in den Jahrzehnten, die ich nun mit Pferden zu tun habe, gelernt habe, dann das: Pferdefreundlichkeit wird nur möglich, wenn wir bereit sind für echtes Verstehen und Mitgefühl. Nicht noch mehr Methoden und Techniken führen uns auf den gemeinsamen Weg mit unserem Pferd, sondern Selbstreflexion, Selbstfürsorge und das Vertrauen auf das eigene Gefühl.
Pferde brauchen weniger Methoden,
dafür aber mehr Verständnis und Mitgefühl.
Pferde verstehen – wo fangen wir an?
Wie bist Du zum Pferd gekommen? Wie die meisten wahrscheinlich über den Reitunterricht in einer Reitschule? Oder vielleicht auch über das Voltigieren oder über die Fahrsportbegeisterung Deiner Familie? In den allermeisten Fällen steht jedenfalls eine Nutzungsabsicht im Vordergrund und nicht das Pferd selbst.
Natürlich ist es wundervoll und deshalb auch das Ziel der allermeisten von uns, etwas mit einem Pferd zu machen. Reiten, Springen, Kutsche fahren Zirkuslektionen. Aber es sind eben oft unsere Nutzungsansprüche, die häufig dem echten Verstehen eines Pferdes entgegenstehen. Statt wirklich unser Pferd zu verstehen, wollen wir verstehen, wie es das tut, was wir wollen – und das macht einen großen Unterschied! Denn dann suchen wir Rat bei anderen Menschen, statt uns erst einmal mit unserem Pferd und seiner Persönlichkeit zu befassen.
Erst das Pferd verstehen, dann die Ziele festlegen
Herkömmlicherweise liegt der Fokus auf der Vermittlung von Techniken und Methoden, Hilfen und Korrekturmaßnahmen. Wir wissen dann zwar viel, aber verstehen unser Pferd leider noch lange nicht, denn kaum einer vermittelt uns das nötige Wissen und Handwerkszeug dazu. Viel zu schnell übernehmen wir dann Behauptungen über Pferde, die zum Teil gar nicht stimmen und rechtfertigen mit ihnen den Einsatz von Druck oder gar Gewalt.
Versteh Dein Pferd – um pferdefreundlicher handeln zu können und mit ihm ein Miteinander leben zu können, das seinem Wesen gerecht wird. Lass Dich ein auf das Abenteuer Pferdeverhalten und begegne Deinem Pferd immer wieder neu. Lerne es immer besser kennen und verstehe, was es braucht und was es Dir sagen möchte. Und: Sei bereit immer auch von ihm zu lernen! Tipp: Hier erfährst Du, warum andere Leserinnen denken, dass es wichtig ist, Pferde besser zu verstehen und hier gibt es einen Blogbeitrag über „Neues Wissen über Pferde„.
Pferde verstehen – das braucht es dafür
WAHRNEHMEN – Statt Pferdeverhalten sofort zu interpretieren, sollte es erst einmal um das Wahrnehmen gehen: Was siehst Du? Was nimmst Du wahr? Wie fühlt es sich an?
REFLEKTIEREN – Statt gleich mit Lösungsansätzen loszulegen, sollten wir erst einmal wirklich verstehen, worum es geht, was also die Ursachen eines Verhaltens oder Problems sind und was wir selbst damit zu tun haben.
DEN WEG GEMEINSAM GEHEN– Statt Tipps und Lösungen bei anderen zu suchen, sollten wir zuerst immer unser Pferd fragen und nie gegen es arbeiten, sondern immer mit ihm.
Darum geht es, wenn wir Pferde verstehen wollen
Du musst wissen, worauf es ankommt, wenn Du Dein Pferd besser verstehen möchtest, was die Sache erschwert und wie es trotzdem möglich wird.
Damit wir Pferde verstehen können, dürfen wir Pferdeverhalten nicht isoliert, sondern immer im Gesamtkontext betrachten.
Du musst Deine eigenen Entscheidungen und Dein Verhalten reflektieren, um zu erkennen, was Du vielleicht einbringst und auslöst.
Und es gilt, im Einklang mit Deinem Pferd Euren Weg, Euer Miteinander und Verhalten auf eine gute Weise zu verändern.
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