… und welche Wege es mit ihnen gibt
Als „schwierige Pferde“ werden solche bezeichnet, mit denen Menschen nicht einfach das machen können, was sie wollen. Allein die Annahme, dass wir eine Art Recht darauf haben, von Pferden etwas zu nutzen, ist aus meiner Sicht durchaus zu diskutieren. Leider kommen wir dann aber schnell in Schwarz-Weiß-Diskussionen, Abgrenzungen und Grabenkriege zwischen verschiedenen Ansätzen, die zu nichts führen. Dabei ist es doch viel spannender, nach den Gemeinsamkeiten zu schauen und voneinander zu lernen.
Ich habe ein tolles Gespräch mit Pferdemenschen geführt, die jeweils ein sehr besonderes Pferd haben. Auf den ersten Blick kommen Finn und Maja aus vollkommen unterschiedlichen „Lagern“. Schaut man genauer hin, findet man aber sehr viele Parallelen und Gemeinsamkeiten – und hilfreiche Antworten auf die Frage, wie man mit schwierigen Pferden umgehen kann. Für mich sind die beide eine echte Inspiration und Ihr könnt sie hier kennenlernen.
Zwei Geschichten, die Mut machen
Im folgenden Video spreche ich mit Finn Lux und Maja Wolpers über ihre besonderen Pferde Mabel und Dreamer. Ich kenne beide Menschen und beide Pferde persönlich und als ich über meine Vision von einem neuen Normal nachdachte und mich fragte, was genau das eigentlich ausmacht, musste ich sofort an sie denken. Mabel und Dreamer sind ohne Zweifel das, was man herkömmlicherweise „schwierige Pferde“ nennt. Besonders spannend ist, dass trotz vieler Unterschiede auch viele Gemeinsamkeiten in den Wegen zu sehen sind, die Finn und Maja mit ihnen gehen.
Finn hat sich ganz auf bedürfnisorientiertes Training konzentriert. Er arbeitet konsequent mit positiver Verstärkung ohne aversive Methoden und unterrichtet Kinder – mehr zu Finn findet Ihr auf Facebook und Instagram. Majas Leidenschaft ist der Voltigier-Sport. Selbst ursprünglich Leistungssportlerin trainiert sie heute Kinder und Erwachsene und bestreitet Voltigier-Turniere mit ihren Pferden.
Sowohl Mabel als auch Dreamer zeichnen sich durch eine ausgeprägte Persönlichkeit aus. Bei Mabel können schon kleinste Anforderungen oder Erwartungen zu aggressivem Verhalten führen. Sie zeigt wenig Mimik und ist schwer zu lesen (mehr zu passiven Stresstypen). Ihr Stress entlädt sich oft explosionsartig. Dreamer hingegen ist extrem expressiv, seine Energie, seine Anspannung, sein Stress sind mehr als präsent. Selbst kleinste Reize oder Impulse reichen, um seinen Energielevel hochzufahren. Hier könnt Ihr das Gespräch mit Finn und Maja bei Youtube anschauen:

Schwierige Pferde müssen nicht gefixt werden
Herkömmlicherweise werden Pferde, die sich anders verhalten als gewünscht, als „Problem“ gesehen, das gelöst werden muss. Der Fokus liegt auf der Frage, wie man es schafft, dass das Pferd tut, was man will, oder sein lässt, was man nicht will. Damit erlebt ein Pferd, dass es „nicht richtig“ ist.
Ein großer Schritt ist schon getan, wenn erst einmal nach den Ursachen gefragt wird. Hier zeigt sich ganz oft, dass wir Menschen es den Pferden schwer und manchmal sogar unmöglich machen, unsere Erwartungen zu erfüllen. Da finden sich dann meist reichlich Möglichkeiten, etwas zum Guten zu ändern.
Während Dreamer, bevor er zu Maja kam, schlechte Erfahrungen mit Menschen machen musste, war das bei Mabel nicht der Fall. Beide Pferde werden von erfahrenen und verständigen Menschen umsorgt. Sie leben jeweils in einer kleinen Gruppe in Offenställen, die fachkundig geführt werden. Bei beiden Pferden könnten bestimmte Anlagen genetisch bedingt sein, bei Mabel spielen auch körperliche Baustellen und möglicherweise eine schwierige Geburt eine Rolle.
Die Beziehung als Basis – oder: Schenk Deinem Pferd ein Ja
Ursachen zu erkennen, ist ein wichtiger Baustein. Ich gehe heute noch einen Schritt weiter: Unabhängig von den Ursachen für das Verhalten eines Pferdes steht für mich heute die Beziehung. Denn damit beginnt alles. Wir können noch so viel über die Pferde wissen, uns noch so sehr bemühen und trotzdem kann ein wesentliches Element fehlen: ein Ja zu dem Pferd.
Im Video sprechen wir darüber, dass Kinder einen besonderen Zugang sowohl zu Dreamer als auch zu Mabel haben. Diese Kinder haben das große Glück, dass sie sowohl von Finn als auch von Maja lernen dürfen, mit den Pferden aus dieser ganz ursprünglichen Liebe heraus umzugehen, die wir alle mal hatten. Leider wird sie auch heute noch im herkömmlichen System oft gezielt aberzogen. Weil uns gesagt wird, wie wir Pferde zu behandeln haben und was alles sein muss und nicht sein darf. Diese Lehren basieren auf einem falschen und oft vermenschlichten Bild von Pferden. Pferde sind anders, als so oft behauptet wird. Dreamer und Mabel haben die Chance bekommen, so sein zu können, wie sie wirklich sind. Sie bleiben herausfordernde Pferde. Aber dadurch, dass sie als Persönlichkeiten und Lebewesen mit eigenen Rechten angenommen werden, können sie wachsen.
Lasst uns echte Beziehungen wagen!
Aus der Verhaltensforschung ist inzwischen klar bekannt, dass es ein Grundbedürfnis von Pferden ist, harmonische Beziehungen zu führen – untereinander und auch mit uns. Je mehr wir ihnen das ermöglichen, desto reicher wird das Miteinander für alle.
Vermeintlich schwierige Pferde erleben mit uns Menschen oft sehr viel Stress und leider auch Gewalt. Was würde sich ändern, wenn wir erkennen, dass diese Pferde meistens einfach nur unverstanden sind? Und wenn wir gerade mit ihnen eine echte Beziehung wagen? Meine Erfahrung ist, dass gerade sie besonders viel zu geben haben, wenn wir ihnen genau das ermöglichen. Und das gilt übrigens für alle anderen Pferde auch. 🧡
👉 Passend zum Thema: Der große Beziehungskurs: Endlich ein Wir – Start am 31.5.26









0 Kommentare