Handwechsel reiten

Geschrieben von Tania Konnerth

Tania ist Autorin und Pferdecoach. Sie schreibt seit vielen Jahren für Blogs und Zeitschriften, hat diverse Bücher veröffentlicht, gibt Webinare und coacht Pferd-Mensch-Paare. Sie wünscht sich vor allem, dass Pferde besser verstanden werden.

– immer schön flexibel reiten

Beim Reiten sind wir aus meiner Sicht oft ein bisschen zu sehr darauf fixiert, genau das zu erreichen, was wir uns vornehmen. Viel pferdefreundlicher reiten können wir mit etwas mehr Flexibilität. Dann wird es nämlich nicht nur für das Pferd leichter, sondern auch für uns. Was ich damit meine und wie das ganz praktisch aussehen kann, zeige ich Dir in diesem Blogbeitrag am Beispiel „Handwechsel reiten“.

Hinweis: Beginne bitte immer im Schritt, denn ein Handwechsel ist oft schwieriger als es aussieht 😉

Handwechsel über eine halbe Acht

Nehmen wir an, ich möchte, um die Hand zu wechseln, eine halbe Acht reiten – auf dem folgenden Bild ist das die orangefarbene Linie. Ich reite ganze Bahn und wende im letzten Drittel auf eine halbe Volte ab (die gestrichelten, grünen Linien zeigen die Volten). Auf der Mittellinie soll idealerweise der Handwechsel stattfinden, so dass ich dann auf einer zweiten halben Volte auf der anderen langen Seite auf die andere Hand komme:

Handwechsel auf einer halben Acht

Halte nicht am Ziel fest, sondern reite flexibel

Ich nutze nun die erste halbe Volte dazu, um achtsam zu erspüren, ob mein Pferd bei mir ist und meine Hilfen annimmt. Wenn es zum Beispiel keine gute Innenstellung hat oder nach außen driftet, arbeite ich erst einmal ganz in Ruhe an der Volte selbst. Ich denke also noch gar nicht zwingend an den Handwechsel, sondern bleibe dann einfach auf der Hand. Dazu kann ich zum Beispiel einfach ein Stück auf der Mittellinie geradeaus reiten und dann, wenn es passt, auf einer halben Volte zurück zur Bahn gehen. Und von da aus setze ich neu an. Das meine ich damit, wenn ich sage: Immer schön flexibel bleiben.

Auf dem folgenden Bild zeigt die orangefarbene Linie wieder die halbe Acht, die es mal werden soll. Das Ausrufezeichen soll anzeigen, dass es immer vorkommen kann, dass etwas nicht so klappt, wie es sollte. Und dann gilt es, den Handwechsel nicht einfach durchzuziehen, sondern flexibel zu reagieren: Du kannst zum Beispiel auf der grünen Volte bleiben oder die Volte verschieben (der blau gestrichelte Kreis) oder auch auf der Mittellinie geradeaus reiten und die Bande nutzen, um Dir eine gute Stellung und Biegung zu erarbeiten:

Handwechsel auf einer halben Acht

So kannst Du mögliche Probleme, die Dein Pferd auf der ersten halben Volte zeigt, wunderbar weich auffangen. Und das gilt auch für Dich: Solltest Du merken, dass Du selbst vielleicht zu langsam warst oder aus der Balance gekommen bist, kannst Du so ebenfalls spielerisch daran arbeiten, Deinen Sitz und Deine Hilfen zu optimieren, damit Dein Pferd besser auf den Handwechsel reagieren kann.

Auch beim Handwechsel flexibel bleiben

Nehmen wir an, die halbe Volte gelingt und das Pferd reagiert auf die Hilfen zum Handwechsel. Dann kommen wir an den nächsten Punkt, an dem es sinnvoll sein kann, nicht an der angedachten halben Acht festzuhalten. Vielleicht wäre ein Umstellen auf die andere Hand zu viel und es ist besser, erst einmal gerade gestellt auf der Mittellinie zu bleiben? Vielleicht gilt es erst einmal, die eigenen Hilfen zu sortieren oder zu prüfen, ob der Sitz noch stimmt? Dann nimm Dir einfach mehr Zeit dafür, das Pferd wirklich sanft umzustellen und nicht unter Stress, weil es eben doch an einem bestimmten Punkt sein soll. Hier erwarten wir oft nicht nur von unserem Pferd, sondern vor allem auch von uns selbst zu viel!

Auch das als Grafik: Hier siehst Du, wie Du einfach die geplante, zweite halbe Volte verschieben kannst (statt der grünen Volte, wählst Du die blaue). Oder Du reitest zum Hufschlag und erarbeitest Dir dann dort mit Hilfe der Bande in der Ecke Stellung und Biegung:

Handwechsel auf einer halben Acht.

Flexibilität ist immer gut

Worauf ich hinaus will: Reitlektionen oder Bahnfiguren werden uns immer so vermittelt, als gäbe es nur ein einziges „Richtig“. Und das lässt uns leider zu verbissen werden. Du wirst sehen, dass allein dadurch, immer gleich auch verschiedene Optionen im Kopf zu haben, die Du reiten könntest, viel mehr Leichtigkeit ins Spiel kommt. Pferde merken ja jede unserer Anspannungen! Wenn Du aber Lektionen nicht als „Muss“ siehst, sondern schon den Weg dorthin genießen kannst, wird alles sehr viel leichter gelingen – probiere es aus!

Lese-Tipp: Mehr zu allen Fragen und Herausforderungen rund ums Reiten findest Du hier: Mit dem Herzen voran – der Reitkurs von „Wege zum Pferd“

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