Inspiration des Monats

Geschrieben von Tania Konnerth

Tania ist Autorin und Pferdecoach. Sie schreibt seit vielen Jahren für Blogs, hat diverse Bücher veröffentlicht. Ihr Ziel für "Wege zum Pferd" ist, dass Pferde besser verstanden werden.

Du darfst Dich umentscheiden

In dieser Rubrik nehme ich mir jeweils ein Schwerpunktthema vor, für das ich Euch kurz und knapp Denkanstöße und Anregungen geben möchten. Lange Texte gibt es genug, aber gerade bei Basis-Themen ist es wichtig, sie immer wieder mit in den praktischen Pferde-Alltag zu nehmen, um für eine längere Zeit im Herzen bewegt zu werden. Und meist sind es Schlüsselsätze oder -erkenntnisse, die man wirklich bei sich behält. Tipp: Zieht Euch jeweils die Inspiration auf Euer Handy, damit Ihr die Fragen und Denkanstöße für eine Weile immer dabei habt – Ihr werdet vielleicht überrascht sein, wie unterschiedlich Eure Antworten und Gedanken dazu in verschiedenen Situationen ausfallen können. 

Ganz grundsätzlich neigen wir Menschen dazu, einen einmal eingeschlagenen Weg auch dann durchzuziehen, wenn wir ahnen oder erkennen, dass er gar nicht wirklich gut ist. Dieses Phänomen lässt sich auch in der Pferdewelt sehr oft beobachten:

  • Wir bleiben bei einer Reitlehrerin oder einem Trainer, obwohl uns der Unterricht keinen Spaß macht und unser Pferd einfach nicht besser läuft, und sagen: „Ich bin doch jetzt schon so lange bei ihr/ihm …“
  • Wir folgen weiter einer Methode, obwohl sie sich nicht gut anfühlt oder uns nicht dahin bringt, wo wir eigentlich hinwollen, und begründen das dann mit einem: „Ich habe dazu schon einige Seminare gebucht und mir gerade auch noch das Online-Programm gekauft …“
  • Wir gehen mit unserem Pferd auf eine Weise um, wie es uns andere im Stall empfehlen, obwohl wir genau spüren, dass sich das Verhältnis zu unserem Pferd immer mehr verschlechtert und sagen „Das machen hier doch alle so …“
  • Wir bleiben bei unserem Schmied oder der Hufpflegerin, obwohl die Hufe immer schlechter werden und sagen: „Der/die wurde mir so sehr empfohlen …“
  • Wir reiten weiter mit einem Sattel, von dem wir selbst sehen, dass er die Muskulatur wegdrückt oder gegen den sich unser Pferd sichtbar wehrt mit Sätzen wie: „Der ist doch extra angepasst worden …“ oder „Der war richtig teuer …“

Dass wir so reagieren, liegt zum einen daran, dass unser Gehirn uns dafür belohnt, wenn wir an Gewohntem festhalten, und zum anderen fällt es vielen von uns grundsätzlich sehr schwer, Fehler einzugestehen, vor allem dann, wenn wir vielleicht schon viel Zeit, Kraft und/oder Geld investiert haben. Hinzu kommt dann oft noch ein erheblicher Gruppendruck, der uns verunsichert, schließlich wollen wir doch eben nichts falsch machen!

Es ist sehr wichtig, sich klarzumachen,  dass aber oft gerade unsere Angst davor, etwas falsch zu machen zu viel Leid führen kann, einmal auf Seite des Pferdes aber eben auch bei uns selbst.

Fühle Dich durch die folgenden Sätze ermutigt, Entscheidungen auch immer mal wieder zu überdenken:

  • Einen einmal eingeschlagenen Weg müssen wir nicht zwingend weitergehen, sondern wir können und dürfen jederzeit dazulernen und uns weiterentwickeln.
  • Jeder kann sich irren, jeder kann Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen – wichtig ist, sie zu erkennen und zu ändern!
  • Investiertes Geld oder Energie zahlt sich nicht aus, nur weil wir an dem festhalten, wofür wir es investiert haben, im Gegenteil: Die Kosten werden immer größer, wenn es keine gute Entscheidung war
  • Neue Wege können Wundervolles ermöglichen.

Bitte frage Dich also immer wieder ganz liebevoll und achtsam, ob die bisherigen Entscheidungen für Methoden, für Fachleute, für Zubehör und dergleichen mehr wirklich gut sind für Dich UND Dein Pferd. Wenn nicht, sei bereit und mutig, neue Entscheidungen zu treffen!

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Hinweis. Oft weiß man sehr genau, wenn etwas falsch läuft und doch tut man sich schwer, sich umzuentscheiden.

    Antworten
  2. Vielen Dank! Ich bin immer fleißige Leserin eures Newsletters und freue mich immer wieder über eure Anregungen! Heute habt ihr mich wieder bestätigt, dass ich den richtigen Weg gefunden habe. Ich möchte nicht mehr reiten und werde deswegen belächelt. Aber meinLebensversicherungspferd möchte nach dem zähneziehen wegen eorth und einer längeren Pause wegen eines Unfalls mit meinem 2.pferd mit 28 nicht mehr antrainiert werden und ist mit unseren Spaziergängen zufrieden. Und mein 2.pferd, meine Lebensaufgabe, möchte anscheinend nicht von mir geritten werden. Seit unserem Unfall bin ich über horsemanship zu freiarbeit gekommen. Das macht uns beiden so viel Spaß! Aber es ist ab und zu doch schwierig, dabei zu bleiben, das es für uns das tolle ist, wenn andere dann sagen, dass er doch so ein tolles Pferd ist und es schade ist, wenn er nicht geritten wird. Und darum danke für eure Worte. Sie bestärken mich auf meinem Weg!

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  3. Ich bin als Kind zum Pferd gekommen als Schüler. Wirklich echtes reiten oder der richtige Umgang mit dem Pferd wurde nicht wirklich beigebracht.
    Dann hatte ich ganz lange Pause.
    Jetzt bin ich 46 und möchte mir meinen Traum vom Pferd erfüllen.
    Ich fange für mich wieder ganz von vorn an.
    Und ich will genau diesen Weg nehmen den ihr geht.
    Ich weiß jetzt schon das ich dafür belächelt werde und mir ganz sicher viele gut gemeinte Ratschläge gegeben werden.
    Ich bin zwar nich reich an Geld aber umso mehr an Einfühlungsvermögen und vor allem ganz viel Bauchgefühl.
    Mein bisheriges Leben hat mich selbst gelehrt das Gewalt nur Angst erzeugt.
    Das habe ich weder meinen Kindern noch meinen bisherigen Tieren oder anderen Menschen angetan.
    Und das werde ich jetzt auch nicht tun.
    Mag sein das vieles dadurch länger dauern wird.
    Aber das ist es wert.
    Ich bin sehr dankbar das es Menschen wie euch gibt die mich darin bestärken es anders zu machen.

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