Vom Longenkurs zum Freiraum-Training

Geschrieben von Tania Konnerth

Tania ist Autorin und Pferdecoach. Sie schreibt seit vielen Jahren für Blogs und Zeitschriften, hat diverse Bücher veröffentlicht und coacht Pferd-Mensch-Paare. Sie wünscht sich vor allem, dass Pferde besser verstanden werden.

So erarbeitet sich Dein pferd selbstständig eine gute Laufmanier

Während beim Longieren und Reiten endlich immer öfter auf eine gute Laufmanier geachtet wird – und sich vor allem auch das Wissen darüber langsam mehr verbreitet, so sieht es in Sachen „Freiarbeit“ leider oft noch ganz anders aus. Aber das muss nicht sein, denn gerade das freie Training ist bestens dazu geeignet, dass Pferde sich eigenständig eine gute Laufmanier erarbeiten. Nach dem Motto „Vom Longenkurs zum Freiraum-Training“ zeige ich mit meiner Art der Freiarbeit, wie und mit welchen Übungen aus dem Longenkurs Du Dein Pferd dabei unterstützen kannst, in eine immer bessere Selbsthaltung und Laufmanier zu finden!

Das Problem mit den gebogenen Linien

Aber warum brauchen Pferde überhaupt Hilfe, wenn es um die Laufmanier geht? Als Lauftiere können sie sich doch natürlicherweise frei ganz wundervoll bewegen, wie hier schön zu sehen ist:

Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn sie auf begrenzten Flächen rennen und toben:

Der entscheidende Unterschied zwischen dem oberen Foto und auf den beiden unteren ist der, dass Anthony oben auf einer langen, geraden Strecke läuft, während die Pferde auf unteren Fotos auf einem begrenzten Auslauf toben. Pferde sind grundsätzlich dafür gemacht, geradeaus zu laufen und das langsam und andauernd. Frei laufende Pferde wissen zunächst nicht viel darüber, wie sie in einer guten Laufmanier um die Ecke kommen. Wenn es mal eng oder brenzlig wird, preschen sie einfach los, kippen auf die Seite, schlagen Haken, stoppen und wenden ab, um wieder loszurennen. Das ist an sich auch kein Problem, es wird aber eines, wenn Pferde dauerhaft in dieser Weise laufen, wie zum Beispiel beim herkömmlichen „Scheuchen“, in der Freiarbeit, an der Longe oder gar unter dem Sattel.

Es gilt: Auf kleineren Flächen, also auf Reitplätzen,
in Hallen, auf Longierzirkeln und Ähnlichem,
brauchen Pferde in Sachen Laufmanier etwas Hilfe von uns,

damit sie sich nicht selbst schädigen.

Wie wir das an der Longe geht, zeigt unser Longenkurs, den Du vielleicht schon kennst? Wir es frei geht, zeige ich Dir in meinem Freiraum-Training, denn: Am besten ist es, wenn das Pferd eine gute Laufmanier selbstständig einnehmen kann. Pferde, die das lernen, nutzen die gute Laufmanier dann nämlich oft auch beim Laufen und Toben in der Herde, wie hier schön bei Anthony beim Toben mit seinen Kumpels zu sehen ist:

Vom Longenkurs zum Freiraum-Training – so geht’s

Beim Longieren nach dem Longenkurs wechseln wir unter anderem zwischen verschieden großen Zirkeln und Volten und geraden Stücken. Genau das kannst Du Dir auch frei mit Deinem Pferd erarbeiten: Lade es körpersprachlich von der ganzen Bahn immer wieder auf kleinere und größere Kreise ein. Auf dem folgenden Foto ist genau der Moment zu sehen, in dem ich Anthony frage, ob er auf eine Volte kommen mag (was die gestrichelte blaue Linie andeutet). Dafür stellt er sich im Idealfall etwas und nimmt Gewicht von der inneren Schulter. Ich unterstütze diese Elemente der guten Laufmanier im Freiraum-Training vor allem durch meine Körpersprache. So kann ich mit meiner Körperposition zum Beispiel die Größe des Kreises beeinflussen, mit meiner Körperhaltung, die Haltung und auch das Tempo des Pferdes und mit der Ausrichtung meines eigenen Körpers die Ausrichtung des Pferdes.

Zusätzlich setze ich bei Bedarf verschiedene Hilfen aus dem Longenkurs auch im freien Training ein. Auf dem folgenden Foto ist zu sehen, dass Anthony etwas nach innen gekippt ist. Ich nutze hier die sanft streichelnde Aufwärtshilfe mit der Peitsche zur Schulter aus dem Longenkurs. Damit erinnere ich ihn, dass er die Aufgabe besser gelöst bekommt, wenn er die innere Schulter anhebt:

Durch diese und andere Hilfen und das Loben der richtigen Reaktionen entwickelt das Pferd im Freiraum-Training nach und nach die gute Laufmanier selbstständig. Die positive Verstärkung und ganz viel Begeisterung sind wichtige Grundelemente meines freien Trainings, denn damit kann ich gute Haltungen und Bewegungen punktgenau fördern. Nach und nach brauche ich das Pferd nur noch zu begleiten und muss kaum noch etwas beeinflussen, wie auf dem folgenden Foto schön zu sehen ist. Anthony zeigt hier eine aus meiner Sicht fast perfekte Laufmanier, ohne dass ich in diesem Moment irgendetwas mache:

Das Ziel ist echte Selbsthaltung

Mein Freiraum-Training ermöglicht dem Pferd, selbst herauszufinden, wie es gebogene Linien meistern kann, woraus Selbstbewusstsein und Freude an der Bewegung auch bei Pferden entsteht, die genau das ein bisschen verloren haben.

Es ist so wundervoll zu erleben, wie Pferde durch das Freiraum-Training selbstbewusster werden und ihre Ausstrahlung immer schöner und würdevoller wird:

Freiraum-Training

Mehr dazu: Tanias Freiraum-Training + Der Longenkurs von Babette Teschen

Vom Longenkurs zum Freiraum-Training

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