Sinnvoll longieren

Geschrieben von Tania Konnerth

Tania ist Autorin und Pferdecoach. Sie schreibt seit vielen Jahren für Blogs und Zeitschriften, hat diverse Bücher veröffentlicht, gibt Webinare und coacht Pferd-Mensch-Paare. Sie wünscht sich vor allem, dass Pferde besser verstanden werden.

Die Lektionen aus dem Longenkurs

Sinnvoll longieren? Der Longenkurs, den Babette und ich entwickelt haben, ist zu diesem Thema ein echter Klassiker. Mit ihm kannst Du Deinem Pferd pferdefreundlich und wirkungsvoll dabei helfen, seine Laufmanier zu verbessern. Das Pferd lernt durch die verschiedenen Übungen in diesem Kurs, wie es auf gebogenen Linien nicht länger wie ein Motorrad nach innen kippt (wie auf dem ersten Foto zu sehen ist) oder nach außen drängt. Es wird vielmehr nach und nach wie eine Lokomotive auf Schienen bewegen, was deutlich gesundheitsschonender ist (zu sehen auf dem zweiten Bild):

Sinnvoll longieren für eine gute Laufmanier
Illustrationen aus dem Longenkurs von Babette Teschen

Eine der häufigsten Fragen ist dabei die, ob denn die einzelnen Lektionen im Longenkurs zwingend nacheinander erarbeitet werden müssen. In diesem Beitrag möchte ich deshalb einmal genauer darstellen, was es mit den einzelnen Übungen auf sich hat und wie das praktische Longieren damit am sinnvollsten ist.

Die Vielfalt der Lektionen im Longenkurs

Herkömmlicherweise werden Pferde ohne große Erklärungen auf einer Kreislinie longiert und müssen mehr oder weniger selbstständig herausfinden, wie sie das Problem meistern. Denn tatsächlich stellt die Kreislinie Pferde vor eine große Herausforderung. Natürlicherweise sind Pferde auf geraden Linien unterwegs. Deshalb haben sie es deutlich leichter, wenn wir ihnen zeigen, wie sie gut um Kurven kommen. Und dafür gibt im Longenkurs eine Reihe von Basisübungen:

  • Das Führen in Stellung.
  • Das Übertretenlassen der Hinterhand.
  • Das „Anschraten“ (ein langsames Antraben für wenige Schritte auf eher kleinen Kreisen).
  • Das Führen auf Entfernung als Übergang zur Longenarbeit.
  • Das Vergrößern der Entfernung.
  • Erwandern und Longieren von Bahnfiguren, wie Volten, Slalom und mehr.

Sowie weitere Übungen, wie:

  • Das Anhalten an der Longe.
  • Den Appell.
  • Das Rückwärtsrichten an der Longe.
  • Handwechsel.
  • Longieren auf der Quadratvolte.
  • Longieren mit dem Pylonenzirkel (Kleeblatt und mehr).
  • Zirkel und Volten verschieben.
  • Das Schulterherein und andere Seitengänge.
  • Vielfältige Galopparbeit.

All diese Lektionen erscheinen im Longenkurs (so wie auch hier in der Liste) zwangsläufig nacheinander. Das heißt aber NICHT, dass sie für das sinnvolle Longieren auch strikt nacheinander erarbeitet werden müssen.

Vom Leichten zum Schweren

Grundsätzlich empfiehlt es sich, sich erst einmal die eher leichten Basis-Übungen zu erarbeiten und nach und nach die anspruchsvolleren. Dabei ist aber entscheidend, was Dein Pferd als einfach oder schwierig empfindet! So ist für viele Pferde zum Beispiel das „Führen in Stellung“ eine echte Herausforderung. Nah am Körper, Hand auf der Nase und den Kopf in eine bestimmte Position nehmen – viele Pferde reagieren da zunächst unwirsch. Einige müssen sich erst an die Hand auf dem Nasenrücken gewöhnen. Andere sind so verspannt, dass schon die leichte Stellung unangenehm ist. Und wieder andere reagieren auf unsere eigene Konzentration mit Stress – auch wir müssen ja erst lernen, wie wir diese Lektion aus dem Longenkurs entspannt ausführen können.

Statt in diesem Fall nun darauf zu bestehen, weil es ja „die erste Übung im Longenkurs ist“, solltest Du ganz flexibel sein und erstmal mehr auf Abstand führen, Dich dann wieder langsam herantasten und Dir so in kleinen Schritten das „Führen in Stellung“ erarbeiten. Und damit sind wir beim entscheidenden Stichwort: Die Lektionen im Longenkurs sind mehr wie einzelne Bausteine zu verstehen, denn als Übungen in einer Reihenfolge.

Die Übungen müssten also eher so dargestellt werden:

Sinnvoll longieren mit dem Longenkurs

Sinnvoll longieren? Beantworte Dir diese Frage!

Der Longenkurs bietet Dir mit seinen Übungen also ganz viele einzelne Elemente, aus denen Du dann Longier-Sequenzen und -Einheiten zusammenstellen kannst. Sie alle sind wichtig und wertvoll und sie können jederzeit bedarfsgerecht miteinander kombiniert werden.

Leitlinie für die Auswahl ist dabei immer diese Frage:

Welche Lektion/en aus dem Longenkurs
hilft/helfen meinem Pferde wohl gerade
am besten dabei, locker und losgelassen
in eine gute Laufmanier zu finden?

Entsprechend kann das, was Du dem Pferd jeweils in einer Longenkurseinheit vorschlägst, immer wieder anders aussehen.

Beispiele für die sinnvolle Umsetzung der Lektionen im Longenkurs

Ganz am Anfang wirst Du vielleicht diese Übungen nutzen:

Sinnvoll longieren mit dem Longenkurs

Du probierst es mit dem Führen in Stellung. Dein Pferd wehrt sich dagegen, also wechselst Du zum Führen auf Abstand. So erwanderst Du Dir Bahnfiguren und probierst immer mal wieder einige Schritte anzuschraten. Dabei wechselst Du immer auch mal wieder Hand, in diesem Stadium hältst Du Dein Pferd dafür an und gehst auf die andere Seite. Und vielleicht baust Du auch immer mal wieder einige Schritte rückwärts ein. Damit beginnst Du bereits, die Basisübungen mit den weiteren Lektionen zu kombinieren.

Später sieht eine Kombination dann vielleicht so aus:

Sinnvoll longieren mit dem Longenkurs

Du nutzt das „Führen in Stellung“ nun zum Aufwärmen und erarbeitest Dir auch das „Übertreten lassen“. Dann longierst Du auf Abstand Schritt-Trab-Wechsel erst auf der ganzen Bahn. Du baust dann immer mal wieder einen Slalom und Volten ein und verschiebst die Volten nach und nach. Zwischendurch wechselst Du auch immer wieder die Hand, nun schon in der Bewegung (erst im Schritt, dann auch im Trab). Und damit Dein Pferd etwas schwungvoller läuft, fragst Du, wo es passt nach zwei, drei Galopp-Sprüngen.

Fazit: Sinnvoll longieren heißt bedarfsgerecht und flexibel

Sinnvoll longieren bedeutet, dem Pferd dabei zu helfen, eine gute Laufmanier auf gebogenen Linien zu entwickeln. Die einzelnen Lektionen im Longenkurs haben dabei ganz unterschiedliche Aufgaben und Wirkungen. Und sie lassen sich kombinieren!

Gutes Longieren zeichnet nun aus, dass wir immer besser erkennen, was unser Pferd gerade braucht, um die einzelnen Übungen bedarfsgerecht und flexibel einsetzen zu können. Hierbei gilt es auch, keinem strikten Plan zu folgen, sondern einfach mal was auszuprobieren, ganz spielerisch und kreativ. Du wirst sehen, mit etwas Übung wird es immer leichter für Euch beide werden, all die Lektionen wie Tanzschritte zu kombinieren.

Und das Wichtigste ist: Habt beide Freude dabei! Also weniger darüber nachdenken, was „richtig“ ist, sondern mehr einfühlen, was gut für Dein Pferd ist und Dich daran erfreuen, wenn es in eine immer bessere Laufmanier findet.

Tipps: Den Longenkurs von Babette Teschen gibt es auch im Paket mit dem Aufbaukurs zum Longenkurs, so dass Du noch mehr Elemente und Lektionen kombinieren kannst – hier kannst Du das Paket bestellen. Und um immer besser erkennen zu können, was noch zu einer guten Laufmanier fehlt, hilft der Kurs „Sehen lernen“ mit über 9 Stunden Videomaterial – diesen Kurs kannst Du hier bestellen.

Und hier findest Du noch eine kleine Serie zum Longieren mit positiver Verstärkung.

Sinnvoll longieren mit dem Longenkurs von Babette Teschen

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