Beschwichtigung beim Pferd

Geschrieben von Tania Konnerth

Tania ist Autorin und Pferdecoach. Sie schreibt seit vielen Jahren für Blogs und Zeitschriften, hat diverse Bücher veröffentlicht, gibt Webinare und coacht Pferd-Mensch-Paare. Sie wünscht sich vor allem, dass Pferde besser verstanden werden.

Kannst Du die Anzeichen dafür erkennen?

Für meine beiden Kurse „Versteh Dein Pferd“ und „Freiraum-Training“ habe ich mich mit dem Thema „Beschwichtigung“ befasst. Die gibt es nämlich nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Pferden – und das ist leider noch vielen unbekannt. Viele dieser Signale werden herkömmlicherweise unterdrückt, aber im freien Training kann man sie oft gut erkennen, wenn man weiß, worauf es ankommt. Ein Pferd, das uns beschwichtigen möchte, zeigt, dass es sich nicht sicher fühlt. Deshalb ist es wichtig, diese Zeichen zu erkennen. Lies weiter, um mehr dazu zu erfahren.

Lesetipp: In diesem Blogbeitrag erfährst Du mehr darüber, welche Bedeutung Beschwichtigungssignale im natürlichen Pferdeverhalten haben und hier geht es um Beschwichtigungszeichen im Miteinander mit uns.

Die Vielfalt der Beschwichtigung

Ein Beschwichtigungssignal von Pferden kennen die meisten von uns, nämlich das sogenannte Leerkauen von Fohlen (es zeigen aber auch ältere Pferde). Dieses Verhalten wird herkömmlich als ein „Tu mir nichts!“ interpretiert. Tatsächlich aber ist das Thema „Beschwichtigung“ deutlich komplexer, denn hier geht es keineswegs um Unterwerfung, sondern um soziale Interaktionen mit dem Ziel eines harmonischen Miteinanders.

Rachaël Draaisma hat in ihrem Buch „Language Signs and Calming Signals of Horses“ (bisher nur auf Englisch erhältlich) sehr ausführlich herausgearbeitet, wie vielfältig Pferde zu beschwichtigen versuchen. Folgende Verhaltensweisen können Beschwichtigungssignale Deines Pferdes sein:

  • Leerkauen (wobei das bekannte Kauen und Lecken eine körperliche Reaktion auf das Nachlassen von Stress ist)
  • das Abwenden oder Senken des Kopfes (siehe dazu auch Das Kopf tief),
  • bestimmte Ohrenstellungen,
  • häufiges Zwinkern,
  • die Art, sich einem anderen Pferd, Gegenstand oder Menschen zu nähern (zum Beispiel seitlich in einem Bogen)
  • Gelerntes anbieten, ohne dass danach gefragt wurde,
  • Abspulen von Lektionen
  • und anderes mehr.

Wichtig: Fast alle dieser Verhaltensweisen sind doppelt oder sogar mehrfach besetzt, das heißt, nicht immer dienen sie der Beschwichtigung, manchmal aber eben doch.

Der Kontext ist entscheidend

Beschwichtigungszeichen sorgen im Zusammenleben von Pferden für ein ein harmonisches und funktionierendes Miteinander. Sie reduzieren Aggressionen und wirken deeskalierend in Konfliktsituationen, vor allem aber helfen sie dabei, gute Beziehungen mit den anderen Pferden zu führen. Für Pferde ist Beschwichtigung ein Weg, freundlich zu sein.

Viele dieser Verhaltensweisen zeigen Pferde aber auch in anderen Zusammenhängen und sie unterscheiden sich darüber hinaus ganz individuell von Pferd zu Pferd. Deshalb werden sie oft gar nicht als solche wahrgenommen. Etliche dieser Signale werden auch von uns unbewusst oder gezielt durch Zubehör oder andere Maßnahmen unterbunden (z.B. durch Sperrriemen, die das Maul zubinden). Manche dieser Verhaltensweisen werden sogar als „Unart“ oder „Ungehorsam“ interpretiert und gerügt oder bestraft. Spüre mal einen Moment nach, was es heißt, wenn ein Pferd, das aus Furcht oder Stress versucht, seinen Menschen zu beschwichtigen, genau dafür bestraft wird…

Seit ich darauf achte, berührt mich sehr, wie oft Pferde versuchen, ihre Menschen im Umgang und Training zu beschwichtigen. Es ist besonders oft dann zu beobachten, wenn mit Strenge und Druck gearbeitet wird oder auch im herkömmlichen Anti-Scheu-Training. Und noch mehr bewegt mich, wie wenig darauf eingegangen wird. Hier fehlt noch sehr viel Wissen und Bewusstsein. Um zu erkennen, welches Verhalten in der jeweiligen Situation was genau bedeutet, gilt es immer achtsamer für das Pferd zu werden und nicht nur das Verhalten allein, sondern das gesamte Pferd, seine Stimmung und Ausstrahlung wahrzunehmen. Übe deshalb bitte ganz bewusst, immer besser zu erkennen, wie Dein Pferd seine Unsicherheit zeigt, damit Du dann überlegen kannst, wie es wieder mehr Sicherheit und Vertrauen gewinnen kann.

Ein Grund für Beschwichtigung ist Unsicherheit

Ein Pferd, das uns Menschen zu beschwichtigen versucht, ist meiner Erfahrung nach oft verunsichert, vielleicht sogar verängstigt. Und das müssen wir verstehen, damit wir angemessen damit umgehen können.

Wenn ich Beschwichtigungszeichen wahrnehme, ist mein Ziel, dem Pferd mehr Sicherheit zu schenken. Je nach Pferd entscheide ich dann ganz individuell, was ansteht. Ist ein Pferd allein sehr unsicher, hole ich vielleicht einen Kumpel dazu. Geht es erstmal um Entspannung, biete ich etwas Heu an, Kraulen, eine Massage oder nur gemeinsames Stehen mit ruhigem Atmen. Vielleicht aber gilt es auch, das Pferd ein bisschen aus seinem Muster zu holen und ein Spiel anzubieten, eine Lieblingsübung oder etwas, das es noch nicht kennt.

Wichtig ist für mich, dass ich nicht gegen die Beschwichtigung anarbeite, nach dem Motto, dass das Pferd damit aufhören soll. Damit erzeuge ich ungewollt weiteren Druck. Was ich erreichen möchte, ist dass das Pferd dieses Verhalten einfach nicht mehr zeigen muss, weil es sich wohl und sicher mit mir fühlt.

Beispiel: Giaco

Hier habe ich ein Beispiel aus einem Video aus meinem Freiraum-Training für Dich, das deutlich macht, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema zu befassen. Auf den folgenden Fotos siehst Du den Spanier Giaco. Giaco hatte in seiner Jugend viel Schlimmes erlebt, das er nie ganz loslassen konnte, obwohl er seit vielen, vielen Jahren bei einer liebevollen Frau lebt. Selbst in der so ganz offenen und wohlwollenden Atmosphäre meines Freiraum-Trainings, zeigt er verschiedene Stress- und Beschwichtigungssignale. Eines davon ist so extrem und individuell, dass man nicht sofort darauf kommt, worum es sich handelt. Giaco legt sich nämlich hin.

Wie hier zu sehen ist, beginnt Giaco mitten in der Einheit damit, im Sand zu scharren, und macht Ansätze, sich hinzulegen.

Beschwichtigung im freien Training

Wahrscheinlich denkst Du, dass er sich nur wälzen will? Das war natürlich auch mein erster Gedanke, aber hier geht es um etwas anderes.

Das Verhalten wirklich verstehen

Giaco legt sich nicht zum Wälzen ab, sondern aus Stress. Er kann den ganzen Tag auf diesen Platz, der nur für das Training abgesperrt wird, und doch wiederholt er dieses Verhalten immer und immer wieder. Ändert man nichts an der Stimmung, zeigt er das Verhalten geradezu zwanghaft. Das zu erleben, löste in mir sehr viel aus. Je mehr ich mich in dieses ungewöhnliche Verhalten einfühlte, desto bewusster nahm ich wahr, dass er auf diese Weise für eine gute Stimmung sorgen will. Als seine Besitzerin ihm das Hinlegen beibrachte, erlebte er dabei sehr innige Momente mit ihr, in denen sie ganz weich, offen und zärtlich war. Und genau das scheint er, wenn er Stress empfindet, durch dieses Verhalten erreichen wollen: Er bietet das Hinlegen an, um die Stimmung positiv zu beeinflussen.

Überleg einmal, wie stark dieser Wunsch in ihm sein muss, wenn er das sogar mir als mehr oder weniger fremde Person anbietet! Giaco hatte zu mir ja kein gewachsenes Vertrauensverhältnis. Dass er sich selbst für mich hinlegen wollte, ist für ein Fluchttier vollkommen unnormal und unangemessen und mir wurde sehr schnell klar, dass Giacos Verhalten eine große innere Not zeigt, die bisher noch nicht erkannt worden war. Als ich Giacos Besitzerin meine Einstellung mitteilte und sie seinen Stress erkannte, rührte sie das sehr an und sie änderte nochmal einiges im Umgang mit diesem wundervollen, hochsensiblen Pferd.

Natürlich können sich Pferde in meinem Freiraum-Training nach Lust und Laune wälzen (und auch alles Mögliche andere zeigen und ausleben). Gerade dieses Beispiel soll aber zeigen, dass aber nicht jedes Verhalten, das auf dem ersten Blick normal oder natürlich wirkt, es auch wirklich ist. Frage Dich also immer, wenn Du ein Verhalten wahrnimmst, ob es wirklich zu der Situation passt. Wenn nicht, denke an die Möglichkeit von Stress und Beschwichtigungssignalen, und versuche herauszufinden, was der Grund dafür ist. Und denke dabei bitte nicht in der Kategorie „Schuld“, sondern sieh es als Chance, Dein Pferd noch besser kennenzulernen. Frage Dich, was es braucht.

Lass Dein Pferd nicht allein

Lass Dein Pferd bitte mit seinen Sorgen nicht allein, sondern nimm seine Beschwichtigung immer als Anlass, weiter an einer stabilen Vertrauensbasis zu arbeiten. Natürlich ist es nicht gerade schön, sich ernsthaft zu fragen, ob einen das eigene Pferd zu beschwichtigen versucht. Wer will schon erleben oder sich eingestehen, dass das eigene Pferd Angst vor einem hat? Aber es ist ganz wichtig, das nicht persönlich zu nehmen, denn dann kommt man schnell in eine Verteidigungsposition.

Auch ich habe lange gebraucht, um die Beschwichtigungszeichen bei meinem eigenen Pferd zu erkennen. Mein sehr empfindsamer Anthony gehört zu den sogenannten passiven Stresstypen, zeigt also sehr wenig davon, was in ihm vorgeht. Viele seiner Sorgen. Unsicherheiten und Ängste habe ich lange Zeit nicht wahrgenommen. Heute erkenne ich die Zeichen, noch bevor er wirklich gestresst wirkt, sehr genau: das häufige Zwinkern mit den Augen, die typische Ohrenstellung, das Kopfsenken und anderes mehr… Und so kann ich dann dort abholen.

Für mich sind Beschwichtigungszeichen übrigens heute auch ein Anlass, bewusst in mich zu spüren und mich zu fragen, was ich eigentlich alles mit zum Pferd gebracht habe. Denn sie nehmen alles an uns wahr und erleben unseren Stress oft wie ihren eigenen. Und auch hier geht es keinen Moment um Schuld, sondern einfach um die entscheidende Frage:

Wie können wir unser Miteinander leichter und schöner gestalten?

Lesetipps: Versteh Dein Pferd + Tanias Freiraum-Training + Der Anti-Angst-Kurs + Tanias Freudekurs

Beschwichtigung beim Pferd

18 Kommentare

  1. Endlich Mal einer, der einem die Pferdesprache und ihre Gefühle dem Menschen gegenüber super erklärt. Ich bin immer verunsichert, ob ich dem Pferd gut tue beim Arbeiten mit Ihm. Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese super hilfreiche und gute Erklärung. Mich würde interessieren, ob es auch Kuse in Niedersachsen gibt. Denn ihre Erklärungen sind Spitze und super schnell erlernbar . Ich bedanke mich sehr bei Ihnen. Bitte kommen Sie nach Niedersachsen . Ich würde mich freuen. Mit freundlichen Grüßen

    Antworten
    • Hallo Isabell,
      herzlichen Dank für die tolle Rückmeldung, da freue ich mich! Und tatsächlich lebe ich in Niedersachsen – schreiben Sie mir doch bitte einfach mal eine Mail an tania@wege-zum-pferd.de, dann können wir schauen, was möglich ist.
      Herzlich,
      Tania

      Antworten
  2. Gut dass inzwischen immer Menschen versuchen, Pferde zu verstehen. Das „predige“ ich schon seit 20 Jahren. Aber es wäre schön, noch genauer hinzusehen, denn nicht alles, was hier aufgezählt wurde, sind Bschwichtigungsgesten.Man muss unterscheiden zwischen Freundschaftszeichen , Entspannung und Beschwichtigung. Das ist hier leider vermischt und daher nicht ganz richtig.
    Pferde wollen verstanden werden und… immerhin ein guter Anfang es besser zu tun.
    Mit freundlichen Grüßen GERTRUD PYSALL

    Antworten
    • Liebe Frau Pysall,
      ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Ja, da sind wir beide schon lange in dieser Sache aktiv und leider liegt noch viel Arbeit vor uns …

      Zum Thema Vermischung: Da schreiben Sie, dass meine Aufzählung nicht ganz richtig sei. Falls Sie da Forschungsergebnisse kennen, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir diese nennen können, denn mich interessiert das Thema wirklich sehr. Ich zitiere hier zum Einen das genannte Buch, schreibe zum Anderen aber über meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen und danach kann es sich aus meiner Sicht tatsächlich bei all diesen Signalen (und vielen weiteren) um Beschwichtigung handeln, da ja die Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen unterschiedliche Bedeutungen haben können. Ich sehe immer wieder, dass je nach der Stärke des Drucks beziehungsweise der Not des Pferdes in der jeweiligen Situation von Pferden alles Mögliche versucht wird, um Erleichterung zu finden und den Menschen zu besänftigen. Genau das macht es auch so schwierig und wichtig, wirklich zu verstehen, wie es dem Pferd gerade geht…

      Ein Thema, über das viel, viel mehr geredet werden müsste, denke ich! Ich fänd‘ einen Austausch spannend, wenn Sie möchten auch gerne per Mail: tania@wege-zum-pferd.de

      Ganz herzlich,
      Tania Konnerth

      PS: Ergänzung: Ich habe aufgrund Ihrer Anregung kleine Änderungen vorgenommen, vielen Dank für den Anstoß dazu.

      Antworten
      • Mit unter diesem Thema gehört vielleicht auch das ‚übersprung-verhalten‘? Nur mal eben als Denk-Ansatz.

      • Hallo Sonja,
        ja, auf jeden Fall! Solche Verhaltensweisen können auch Übersprungshandlungen sein. Spannend finde ich dabei die Motivation.

        Übersprungshandlungen drücken vor allem einen inneren Zustand aus, zum Beispiel Stress, Verwirrung, Angst oder Ähnliches. Bei der Beschwichtigung haben wir es mit einer anderen Ebene zu tun: mit dem Wunsch, die Situation zum zum Guten zu gestalten. Beschwichtigung ist also etwas Aktives. Und das ist hoch interessant!

        Für mich ist auch wichtig, dass Beschwichtigung bei Pferden nicht „Unterordnung“ ist, sondern sie ist ein Instrument soziales Miteinander positiv zu gestalten. Manche Pferde nutzen auch so etwas wie Humor, um die Stimmung positiv zu verändern, also den Menschen regelrecht aufzumuntern. Wird leider auch nicht immer erkannt …

        Sooo spannend, das Thema!
        Tania

  3. Liebe Tania;

    ein ganz wunderbarer Beitrag, den du da geschrieben hast. Und auf Facebook hast du dich ja schon mit Marc Lubetzki ausgetauscht, der mit seinen jahrzehntelangen Erfahrungen so bereichernd ist. Es ist so schön, wenn sich die Menschen, die das Leben für Pferde schöner machen wollen, zusammentun, darauf kann so viel Schönes entstehen. Daher finde ich es ganz toll, dass du auch zu anderen Pferdemenschen Offenheit ausdrückst, ganz ohne „Konkurrenzdenken“. Ihr könnt so viel miteinander besprechen. Jeder kann seine Erfahrungen einbringen.

    Bei meinem – leider verstorbenen – Enrico habe ich immer wieder mal das Gähnen in Situationen gesehen, in die es gar nicht reinpasste. Auch ich habe mir damals darüber Gedanken gemacht und es als Beschwichtigungssignal erkannt. Ein Buch von Marlitt Wendt hatte mir hier die Augen geöffnet. Und doch sieht man immer wieder Menschen mit Pferden im Roundpen, bei der die Pferde eine Reihe von diesen Signalen zeigen, immer und immer wieder und die Menschen dies einfach nicht wahrnehmen oder aber (und das finde ich viel schlimmer) diese Signale ganz falsch interpretieren. Die Menschen tun das gar nicht immer mit Absicht, sie wissen es einfach nicht besser. Und wenn man es ihnen dann sagt, dann wollen sie wissen, was die „dagegen“ tun können. Und hier ist ja schon der Fehler: Man darf dem Pferd nicht das Gefühl geben, dass es sein Verhalten abstellen muss, dass es ein unerwünschtes Verhalten ist, gegen das man irgendwie vorgehen muss.

    Das hast du in deinem Beitrag ganz wundervoll beschrieben. Ich danke dir dafür und würde mich freuen, wenn die Zusammenarbeit mit Marc und/oder auch mit Frau Pysall zu weiteren Beiträgen führt, die wir alle anschauen bzw. hören bzw. lesen können.

    Da ich kein Pferd mehr habe, bin ich nur euer „stiller“ Teilhaber …..

    Ganz herzliche Grüße aus dem hohen Norden
    Sabine Erich

    Antworten
    • Liebe Sabine,

      ganz, ganz herzlichen Dank für Deine lieben Zeilen. Du sprichst etwas so Wichtiges an, das auch dabei helfen kann, wenn man Schuldgefühle hat: Vieles wissen wir oft einfach wirklich nicht! Deshalb ist so wichtig, immer offen für neue Erkenntnisse zu bleiben und dafür, sich weiterzuentwickeln.

      Und ja, ich bin auch schon gespannt, was noch Tolles zu diesem wichtigen Thema entstehen kann, schauen wir mal!

      Herzlich,
      Tania

      Antworten
  4. Wichtig: Fast alle dieser Verhaltensweisen sind doppelt oder sogar mehrfach besetzt, das heißt, nicht immer dienen sie der Beschwichtigung, manchmal aber eben doch.
    Das finde ich den wichtigsten Satz in Deinem Beitrag. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, das in der Kommunikation der Empfänger die Botschaft IMMER vor dem Hintergrund der EIGENEN Meinungen. Kenntnisse und Einstellungen interpretiert. Jedes Verstehen ist Interpretation und wir können uns nie sicher sein, ob wir die Botschaft so verstehen, wie sie vom Sender gemeint ist. Natürlich muss man sich irgendwann festlegen, wie man eine Botschfat interpretiert, und das meistens sehr schnell. Aber um so wichtiger ist, immer im Hinterkopf zu behalten, offen dafür zu sein und zu fragen, ob es nicht vielleicht auch anders gemeint war.

    Antworten
    • Hi Jost,

      ja, diese Offenheit finde ich auch sehr wichtig – möglichst immer in alle Richtungen. Spannend ist für mich dabei wiederum vor allem die Frage, was die „Treffer-Quote“ für zutreffende Interpretationen erhöhen kann. Antworten darauf zu finden ist eine der Hauptmotivationen für das, was ich tue.

      Ergänzend dazu ist mir aber auch noch der Gedanke sehr wichtig, dass auch die Interpretation des Verhaltens unseres Pferdes durch ANDERE MENSCHEN eben genauso von DEREN Meinungen, Kenntnissen und Einstellungen abhängt. Viele von uns lassen sich extrem schnell davon beeinflussen, was jemand zu unserem Pferd sagt, und zweifeln dann die vielleicht durchaus ganz richtige Interpretation an…

      Herzlich,
      Tania

      Antworten
  5. Auch ich habe einen Spanier, mit dem ich gerade auch Bodenarbeit mache. Schon nach kurzer Zeit ist er so aufgeregt, dass er immer wieder nach mir schnappt und mir schon einige blaue Flecken beschert hat. Ich versuche immer alles mit viel Ruhe zu ,achen aber es endet immer gleich. Ist das nun Beschwichtigung oder eine Überdprungshandlung?? Ich weiss nicht weiter…

    Antworten
    • Liebe Susanne,

      aus der Entfernung und ohne Euch zusammen zu sehen, lässt sich aus meiner Sicht kaum eine seriöse Einschätzung eines Verhaltens geben. Rein von der Schilderung her hätte ich jetzt nicht an Beschwichtigung gedacht, an Stress durchaus. Aber, wie gesagt für eine Einschätzung bräuchte ich deutlich mehr Infos und möglichst auch ein Video. Schreib mir gerne einmal eine Email an tania@wege-zum-pferd.de, dann schauen wir weiter, okay?

      Herzlich,
      Tania

      Antworten
  6. Mein Pferd hat ebenfalls eine bewegte Vergangenheit, neben sehr aggressivem Verhalten hat er sich aber auch folgende Beschwichtigungsarten angeeignet:

    – Hand/Arm lecken, wenn man ihn lässt, teils recht verzweifelt
    – Halshaltung etwas geduckt, Koof leicht nach vorn gestreckt, ohren hinten-seitlich, angespanntes Maul, leerer Blick
    – am Kopf oder am Arm vorsichtig mit der Oberlippe berühren
    – minischrittchenweise anschleichen, das zeugtber auch bei anderen Pferden
    – stehen bleiben, nicht weitergehen, wenn eine Lektion nicht verstanden wird und Strafe erwartet wird
    – anpusten / anschnuppern im Sinne von erfahren wollen, ob die Situation wirklich gefährlich ist
    – in räumlich ausweglosen Situationen: todesmutig umdrehen, statt Flucht oder auskeilen, und sich dem Verfolger todesmutig mit gespitzten Ohren stellen ohne Angriff
    – wenn andere Pferde Stress mit einem Menschen haben: leise zärtlich wiehern, hinlaufen, das Pferd und den Mensch beschnuppern, ggf. sich zwischen beide schieben

    Antworten
    • Liebe Olivia,
      wow, wie achtsam Du das wahrnimmst – ich fände es wundervoll, wenn alle Pferde die Möglichkeit hätten, sich so zu zeigen und damit auch wirklich gesehen zu werden!
      Tania

      Antworten
      • Liebe Tanja,
        vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel!
        Wie genau hängen Beschwichtigungssignale und Unwohlsein zusammen? Zu viel Druck im Training etc.?
        Meine Stute nimmt beim aufhalftern immer den Kopf weg,geht neben mir mit einem eher gesenkten Kopf und müderem Blick und ich frage mich, ob das ein beschwichtigungssignal ist oder eher ein Aufgeben/über sich ergehen lassen? Ich habe sie dann abgehalftert, da ich sie zu nichts zwingen will… Sie sucht meine Nähe, kommt aber unauffällig, grasend Stück für Stück näher. Ist das auch Beschwichtigung?

        ich würde mich sehr üb er eine Antwort freuen;)

        Viele liebe Grüße

        Helena

      • Liebe Helena,
        tatsächlich ist es nicht so einfach, die Signale zu verstehen. Dafür ist immer die Gesamtsituation zu beachten. Das von Dir beschriebene Wegdrehen des Kopfes kann sowohl ein „Das möchte ich jetzt nicht“ sein, als auch eine Höflichkeitsgeste oder noch was anderes. Es kann sich auf die Handlung beziehen oder auf das, was kommt, auf das Miteinander oder eine momentane Stimmung. Die Komplexität kann manchmal ein bisschen entmutigen, aber für mich ist genau das das Spannende: dass wir aufgefordert sind, unsere Pferde immer besser kennenzulernen, um ein immer besseres Gefühl dafür zu bekommen (diese Formulierung benutze ich bewusst), worum es geht. Sehr hilfreich ist, einfach mal die Handykamera mitlaufen zu lassen und sich dann mit etwas Abstand die Situationen anzuschauen. Da erkennt man sooo viel!
        Ich bin dabei, zu dem Thema auch ein Webinar anzubieten.
        Schau für’s Erste auch noch mal in diese Beiträge, da bin ich bin tiefer auf das Thema eingegangen: https://www.wegezumpferd.de/beschwichtigungssignale/ und https://www.wegezumpferd.de/beschwichtigungszeichen-von-pferden/
        Lieber Gruß,
        Tania

  7. Zutreffend interpretiert wird das eben beschriebene Verhalten von Außenstehenden oft nicht. Handschlecken wird als Salzsuchen oder nach Futter betteln verstanden, Stehenbleiben als Sturheit, Zum Verfolger hindrehen als Angriff, mit Oberlippe am Kopf berühren als Kuschelwunsch (das habe ich lange nicht verstanden, bis er es mal in einem Stall, in dem die Pferde zu wenig zu trinken bekamen, als verzweifelten Versuch zeigte, Wasser zu bekommen), Dazwischenschieben als Aufdringlichkeit/büffelig, etc.

    Antworten
    • Ja, ich glaube auch, dass sehr viele Verhaltensweisen missinterpretiert werden. Damit sich das ändern kann, braucht es, denke ich, erstmal ein Loslösen von dem, was uns allen herkömmlicherweise über Pferde vermittelt wurde (und wird) und dann den Mut, sich nicht gleich mit den erstbesten Einfällen zufrieden zu geben, sondern bereit zu sein, sich wirklich einzufühlen …
      Herzlich,
      Tania

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Dich auch interessieren:

Stress beim Pferd

Stress beim Pferd

Was Du darüber wissen solltest Pferde können, genau wie wir auch, verschiedene Formen von Stress empfinden und darunter leiden. Aus meiner Sicht ist es für...

Sinnvoll longieren

Sinnvoll longieren

Die Lektionen aus dem Longenkurs Sinnvoll longieren? Der Longenkurs, den Babette und ich entwickelt haben, ist zu diesem Thema ein echter Klassiker. Mit ihm...

Pferdefreundlich reiten

Pferdefreundlich reiten

– in kleinen Schritten viel bewirken Mal ganz ehrlich: Wie offen bist Du für das Thema "Pferdefreundlich reiten"? Ich habe den Eindruck, dass die Reaktion...